Fischer, Eine Gespensterleiche oder der Schein trügt
Fischer, Eine Gespensterleiche oder der Schein trügt
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(Fischer). Eine Gespensterleiche oder der Schein trügt. Eine wahre Begebenheit. Annaberg, (Friedrich) Hasper 1826. 8°. 8 S. Ungeheftete Druckbogen. Äußerst seltene Schauergeschichte aus dem frühen 19. Jahrhundert. Kein Exemplar weltweit in einer öffentlichen Sammlung nachweisbar (lt. KVK). – Die Erzählung handelt von einer Begebenheit aus dem 18. Jahrhundert. Ein Gruppe junger Offiziere erzählt sich Gespenstergeschichten: „… der Lieutenant Graf – (ich will ihn Hohenheim nennen), einer der liebenswürdigsten und vollkommensten jungen Männer, die ich je gekannt habe. Er ließ sich selten auf unsre Geschichten ein, hörte sie nur mit Unwillen oder mit Spott, erzählte nie dergleichen, und erklärte sogar die Furcht vor Gespenstern, wie sie selbst, für ein Unding. … In einer Nacht zwischen zwölf und ein Uhr, ward Hohenheim durch fernes, dumpfes Geräusch, das vom entgegengesetzten Ende des Korridors im Kaserne herzukommen schien, aufgeweckt. Das Geräusch kam näher, und bald konnte er langsame, feyerliche und starke Tritte wie von vielen Menschen unterscheiden, die auf seine Thüre zugingen. Bald konnte er nicht mehr zweifeln, daß es ihm gelte; denn die Tritte der Vorderen waren schon über die letzten bewohntesten Zimmer hinaus, und in demselben Augenblick sprang auch seine Thür mit starkem Geräusch aus ihren Angeln. Er saß, völlig wach und besonnen, in seinem Bette auf. Zwölf lange Gestalten in schwarzen Talaren und Larven, Fackeln in den Händen tragend, traten paarweise herein, gingen schweigend an seinem Bette vorüber und machten die Runde in seinem Zimmer; ihnen folgte ein verschlossener Sarg auf einer Bahre, getragen von acht gleichgekleideten Figuren; nach diesem die Leidtragenden mit langen Flören und weißen Gesichtern. Man setzt die Bahre vor seinem Bette nieder, man nimmt den Sargdeckel ab; – mit Entsetzen sieht Hohenheim die bleiche, ganz ähnliche Gestalt seines verstorbenen Freundes, im Todtenkleide, wie man ihn begraben, mit offenen Augen, im Sarge liegen… Hohenheim hatt den Anfang der Prozession mit sichtbarer Ruhe angesehen, etwa wie ein Schauspiel, daß man ihm zur Belustigung aufführen wollte; als er das Bild seines Freundes, der kurz vorher gestorben ist, erkannte, starrte er es einen Augenblick an – dann fuhr er auf. „Höllisches Gaukelspiel!“ rief er und griff nach der Pistole. Indem er sie spannte, richtete sich die Gestalt im Sarge langsam auf und starrte ihn an…“ (S. 4-6). – F. Hasper (1781-1838), Buchdrucker in Annaberg, war der Vater von Friedrich Wilhelm Hasper (1796-1871), der 1822 die Braun’sche Druckerei in Karlsruhe übernahm. Die vorliegende „Geister“-Broschüre war Gegenstand eines Schmuggel-Falls 1826 an der böhmisch-sächsischen Grenze im Erzgebirge. Der militärische Kondukteur Karl Friedrich Sättler wurde festgenommen weil er versuchte, Stapel dieser sogenannten Geister-Broschüren bzw. Groschenhefte mit genau diesem Titel nach Österreich (Böhmen) zu schmuggeln. Sättler verdiente sein Geld unter anderem damit, diese Geschichten und Bücher auf den sächsischen Jahrmärkten (wie dem in Annaberg) zu verkaufen. Kurioserweise war der Händler selbst Analphabet und ließ seine Geschäfte von seinem Sohn verwalten. (Quelle: P. Pisa, Cást druhá 1810-1848, V zájmu nevzdelaného ctenáre, Literární cenzura, v dobe restaurace, a rozmachu národního hnutí, online).
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