Corrinth, Gift
Corrinth, Gift
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Corrinth, Curt (eig. Conrad Albert Ferdinand C.). Gift. Roman. Berlin, BUDEJU (Buchverlag der Junggesellen) (1923). 4° (30 x 23 cm.). 32 S. Farbig illustr. Orig.-Broschurumschlag. W.-G.² 13. Nicht bei Raabe und Hayn/Gotendorf. – Trotz der eventuell fingierten Titelangabe „Auflage 30000 Exemplare“, äußerst seltener Kurzroman. Typisch expressionistisches, rauschhaft-ekstatisches Werk von Curt Corrinth (1894-1960); ein Paradebeispiel für die Berliner Asphaltliteratur der Inflationszeit. Der Roman „Gift“ markiert den Übergang vom späten Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit sowie die zunehmende Kommerzialisierung der literarischen Erotik in der Weimarer Republik. In den frühen 1920er Jahren florierte in Berlin eine ganz eigene Subgattung der urbanen Literatur, die Rauschgift, moralischen Verfall, sexuelle Befreiung und das flirrende Nachtleben der Metropole thematisierte (prominente Parallelen finden sich etwa bei Leo Perutz, Mynona oder in den berüchtigten Texten von Anita Berber). Corrinth nutzt das Motiv „Gift“ meist doppelbödig: Es steht sowohl für reale Rauschmittel als auch metaphorisch für das „lähmende Gift“ der bürgerlichen Spießermoral, das durch ekstatische Lebenseinstellungen überwunden werden muss. Während Corrinths Hauptwerk „Potsdamer Platz“ (1919) noch von reinem expressionistischem Pathos, abgehacktem Telegrammstil und kosmischen Visionen geprägt war, zeigen seine um 1923/1924 entstandenen Kurzromane (wie auch „Trieb“ oder „Bordell“) bereits kühlere, zynischere und „sachlichere“ Züge, die typisch für das Berliner Lebensgefühl der beginnenden Stabilisierungsphase waren. – „Corrinth besitzt die seltene Gabe, das Tempo der Berliner Friedrichstadt in Sprache zu gießen. Seine Figuren leben im permanenten Delirium; sie suchen den Exzess, um der furchtbaren Nüchternheit unserer Tage zu entkommen. Das ist kein sanftes Dichten, das ist ein literarischer Amoklauf“ (Stefan Großmann, „Tage-Buch“ 1922). – „Der Expressionismus Corrinthscher Prägung hat sich von den kosmischen Idealen abgewandt und ist ganz Fleisch geworden. Seine neuen kleinen Romane sind erotische Kabinettstücke – psychologisch scharf, mitunter zynisch, immer getrieben von der Sehnsucht nach dem totalen Rausch in einer sterbenden Epoche“ (Vossische Zeitung 1923). – Die Umschlagillustration eines anonymen Künstlers zeigt eine rothaarige Frau inmitten einer geschwungenen fast psychedelisch anmutenden Blütenform. – Der Kunsthistoriker und Modejournalist Freiherr Hermann Marten v. Eelking (1887–1970) gründete in den frühen 1920er Jahren in Berlin den „Buchverlag der Jungesellen“ und war auch Herausgeber der wöchentlich erscheinenden, illustrierten Zeitschrift „Der Junggeselle“. – Von leichten Altersspuren abgesehen, sehr gut erhalten.
Unser Preis: EUR 800,-- |


