Keuken, Paris Mortel
Keuken, Paris Mortel
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Keuken, Jo(h)an van der. Paris Mortel. Hilversum, (C. de Boer) DEBO (1963). 4° (29 x 22,5 cm.). 138 S. mit 65 teils doppelblattgr. Duotone-Tafeln. Orig.-Leinenband mit typogr. Schutzumschlag. Auer 423. Heiting, Dutch photo publications 569. Koetzle, Eyes on Paris 316 f. Parr/Badger 248 f. Roth, The Open Book 196. – Erste Ausgabe der dritten Veröffentlichung des bedeutenden niederländischen Fotografen. Eines von 1000 Exemplaren; Text in Niederländisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Die Aufnahmen entstanden zwischen Oktober 1956 und August 1958. J. van der Keuken (1938-2001) studierte 1956 bis 1958 an der Filmhochschule Hautes Ètudes Cinématographiques (IDHEC) in Paris. Während seines Studiums „fotografiert van der Keuken in den Straßen von Paris. Tausende von Aufnahmen sollen so entstanden sein, formal-ästhetisch unter dem Einfluss von William Klein, dessen 1956 erschienener „New York“-Band in jenen Tagen für Gesprächsstoff sorgt. Politisch bestimmen der Algerienkrieg, die instabile Vierte Republik, die prekäre Wirtschaftslage den Diskurs. Auch wenn Titel wie „Vrouwen van Parijs“ von Nico Jesse oder „Paris des Rues et des chansons“ von René Maltête ein anderes Paris – Bild zeichnen, es ist eine bleierne Zeit, der sich Johan van der Keuken stellt. Entsprechend finster gibt sich seine Bildsprache. Dem Gros der Motive haftet etwas Düsteres, Morbides an. Erzählt wird von Armut, Not, Verfall. Durch die Bank strenge Mienen, kaum ein Lächeln und schon gar kein Lachen. Einmal wird getanzt, geflirtet, aber vor reichlich schäbiger Kulisse. Schon häufiger wird pa radiert, protestiert, salutiert: In Gesten und Parolen sucht eine Nation Halt, deren Größe auf dem Prüfstand steht. Auf vielen Bildern ist es Abend oder Nacht, und dass das letzte der insgesamt sechs Bild-Kapitel dem Friedhof Père-Lachaise gewidmet ist, hinterlässt als Epilog einen besonders bitteren Nachgeschmack. „Paris mortel“ – schon der provokante Titel kündigt es an – ist die gedruckte Antithese zum Mythos der heiteren Kunst- und Musenstadt. Fast durchgängig herrscht ein ärmlicher Alltag. Auf keinem der Motive ist eines der klassischen Wahrzeichen zu sehen, sieht man ab von der Métro, deren schwach illuminiertes Labyrinth allerdings perfekt zum angeschlagenen Grundton passt. … „Paris mortel“ präsentiert sich als sinistre Phantasie: Ein Low-key geträumter Traum, der dem fotografischen Aufbruch einer New York School mit Namen wie Louis Faurer, Saul Leiter oder Robert Frank im Grunde näher steht als der Photographie humaniste der 50er Jahre. So schlägt „Paris mortel“ gleich in zweifacher Hinsicht eine Brücke: Von der bildhaften Anekdote zum visuelen Statement und vom Fotoband zum Künstlerbuch“ (H.-M. Koetzle). – Schutzumschlag am Rückendeckel im unteren Rand geringfügig beschädigt, sehr gutes Exemplar.
Unser Preis: EUR 1.400,-- |
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